Waldemar Schneider

IT-Systemintegrator, der sowohl die Produktionshalle als auch den Serverraum versteht.

© 2026 Waldemar Schneider

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Proxmox Backup Server: Einrichtung & Betrieb

Proxmox Backup Server: Einrichtung & Betrieb

2026-04-06Linux & VirtualisierungAbgeschlossen
ProxmoxPBSZFSNFSSynologyBackupVerschlüsselung

Projektübersicht

Aufbau einer verschlüsselten Backup-Infrastruktur für alle VMs und LXC-Container, mit inkrementeller Deduplizierung, automatischer Verifizierung und Disaster-Recovery-Konzept nach dem 3-2-1 Prinzip.

1. Situation (Ausgangslage)

Die gesamte Heimlabor-Infrastruktur (OPNsense, Monitoring, Fileserver, Forgejo) läuft virtualisiert auf einem einzigen Proxmox VE Host. Ohne Backup-Lösung wäre bei einem Hardwareausfall alles verloren: Konfigurationen, Daten, der komplette Aufbau. Eine Synology NAS mit 500 GB freiem Speicher war vorhanden, aber nicht als Backup-Ziel eingebunden.

2. Task (Zielsetzung)

  • Automatische Backups: Alle VMs und LXC-Container täglich sichern, ohne manuellen Eingriff.
  • Verschlüsselung: Backup-Daten bereits auf dem Hypervisor verschlüsseln, bevor sie die NAS erreichen.
  • Speichereffizienz: Inkrementelle Backups mit Deduplizierung, damit nicht jeden Tag ein Vollbackup anfällt.
  • Integritätsprüfung: Automatische Verifizierung, ob die gesicherten Daten noch lesbar und integer sind.
  • Disaster Recovery: Ein dokumentierter Plan, wie die Infrastruktur nach einem Totalausfall wiederhergestellt wird.

3. Action (Umsetzung)

A. PBS als VM auf Proxmox

Proxmox Backup Server 4.1 als VM auf dem Proxmox-Host installiert und konfiguriert. Der Hypervisor betreibt seinen Storage auf einem ZFS-Mirror (2× 1 TB NVMe), der Ausfallsicherheit auf Speicherebene bietet:

  • CPU-Typ x86-64-v2-AES statt host gewählt, damit die VM bei einem Hardwarewechsel portabel bleibt und trotzdem AES-NI für die Verschlüsselung nutzen kann.
  • Startreihenfolge definiert: OPNsense zuerst (Netzwerk), dann PBS (braucht NFS-Mount), dann Monitoring. PBS wartet 60 Sekunden auf OPNsense.
  • NTP über OPNsense statt direkt aus dem Internet, damit alle Systeme dieselbe Zeitquelle haben.

B. NFS-Anbindung an Synology NAS

Einen isolierten Shared Folder auf der NAS eingerichtet:

  • 500 GB Kontingent, eigener NFS-Share, komplett getrennt von anderen Daten.
  • Synology-seitige Optionen bewusst deaktiviert: kein Papierkorb (PBS verwaltet Daten selbst), keine Komprimierung (PBS komprimiert bereits mit Zstandard), keine Verschlüsselung (PBS verschlüsselt client-seitig).
  • Firewall-Regel in OPNsense: nur PBS darf per NFS auf die NAS zugreifen (/32, nicht /24).
  • Berechtigungsproblem mit Synology ACLs gelöst: Btrfs-Volumes überschreiben normale Unix-Permissions, korrektes chown direkt per SSH auf der NAS war nötig.

C. Backup-Jobs, Verifizierung und Aufbewahrung

Automatisierten Backup- und Verify-Workflow eingerichtet:

  • Täglicher Backup-Job um 04:00 Uhr (nach dem NAS-internen Snapshot-Job um 03:00), Modus Snapshot (VMs laufen durch).
  • Client-seitige Verschlüsselung aktiviert: Daten werden auf PVE verschlüsselt bevor sie PBS erreichen. Ohne den Schlüssel ist kein Restore möglich.
  • Prune-Regeln nach dem Grossvater-Vater-Sohn Prinzip: Keep Last 3, Daily 7, Weekly 4, Monthly 3.
  • Täglicher Verify Job: PBS liest Chunks von der NAS und prüft SHA-256 Hashes gegen gespeicherte Werte. Korrupte Backups werden markiert, nicht gelöscht.

D. Disaster Recovery und IP-Umstrukturierung

Wiederherstellungsplan dokumentiert und im Betrieb getestet:

  • Config-Export von PVE und PBS auf USB-Stick, inklusive Verschlüsselungsschlüssel.
  • Schritt-für-Schritt-Anleitung für zwei Szenarien: PBS-VM-Ausfall und kompletter Hypervisor-Ausfall.
  • Im laufenden Betrieb die IPs von drei Geräten (AP, PBS, Monitoring LXC) umstrukturiert. Dabei gelernt, dass jeder Gerätetyp (DHCP-basiert, statische IP, LXC) eine andere Vorgehensweise erfordert und bei statischen IPs bis zu sechs Stellen konsistent geändert werden müssen.

4. Result (Ergebnis & Verifikation)

  • Alle VMs und LXC-Container werden täglich automatisch gesichert, verschlüsselt und auf die NAS übertragen.
  • Erster Backup- und Verify-Lauf erfolgreich: 7.13 GB belegt, 0 Errors bei der Integritätsprüfung.
  • Aufbewahrung nach GVS-Prinzip: kurzfristige, mittelfristige und langfristige Wiederherstellungspunkte automatisch verwaltet.
  • Disaster-Recovery-Plan dokumentiert und Config-Exports auf USB-Stick gesichert.
  • 3-2-1 Strategie teilweise umgesetzt (2 von 3 Kopien auf 2 verschiedenen Medien), Offsite-Kopie als nächster Schritt geplant.

Lessons Learned

  • Synology ACLs überschreiben Unix-Permissions: Standard-chmod/chown über NFS reicht auf Btrfs-Volumes nicht. Die Berechtigungen müssen direkt per SSH auf der NAS gesetzt werden.
  • PBS nicht sich selbst sichern: PBS läuft während des Backups, ein Selbst-Backup wäre inkonsistent. Die Daten liegen auf der NAS, Recovery geht über den Config-Export.
  • pvesm set hat Grenzen: Die Server-IP eines PBS-Storages kann nicht über die API geändert werden, nur direkt in /etc/pve/storage.cfg. Bei IP-Änderungen an der PBS-VM muss diese Datei manuell angepasst werden.
  • LXC-IPs liegen nicht im Container: Bei LXC-Containern wird die IP in der .conf-Datei auf PVE konfiguriert, nicht in /etc/network/interfaces im Container. PVE überschreibt die Container-Konfiguration beim Boot.
  • Statische IPs ändern ist aufwändig: Eine IP-Änderung an der PBS-VM erforderte sechs konsistente Änderungen (DHCP-Reservierung, Firewall-Regel, interfaces, NFS-Regel, storage.cfg, Config-Export). Checklisten sind Pflicht.